Design als Prozess

Was ist Designwissenschaft? Diese Frage lässt sich – insbesondere mit Blick auf die verschiedenen Diskurse über das Verhältnis von Theorie und Praxis im Design – nur schwer beantworten. Bei näherer Betrachtung des Feldes fällt zunächst auf, dass die Designtheorie ebenso divers ist wie das Design insgesamt. Derzeit können innerhalb der Designtheorie jedoch vor allem zwei Richtungen ausgemacht werden: Neben einer angewandten Designforschung, die aus den Entwurfsprozessen selbst die Methoden und Begriffe des Designs entwickelt, gibt es einen kulturwissenschaftlichen resp. genuin designwissenschaftlichen Zugang zum Design, der es ermöglicht, historische und gegenwärtige Designdiskurse ebenso wie angewandte Designforschung mit Blick auf die ihnen inhärenten Ideen und Bezüge zu diskutieren. Dieser Ansatz geht davon aus, dass es die Objekte des Designs sind – also die Produkte, Prozesse, Interaktionsweisen und Systeme – die von sich aus schon bestimmte (historische und gegenwärtige) Vorannahmen beinhalten und damit auch Ausdruck von Theorien sind.

Dies setzt ein bestimmtes Verständnis von Design als Prozess voraus: alles Design steht – in prozesshafter Sichtweise – immer schon in einem bestimmten Kontext aus Materialien, Techniken, Diskursen, Theorien, Akteuren und bisherigem Design. Es handelt sich um ein komplexes Gefüge aus Praxisformen und Ideen. Anders gesagt: Theorien im Design können nicht losgelöst von Praxis verstanden werden und umgekehrt. Designpraxis wird zum diskursiven Element, wobei die Objekte des Designs allerdings ihre Theorien nicht explizit artikulieren, weil diese erst durch Kenntnis des Zusammenhangs sichtbar werden, während die Zusammenhänge in der Wissenschaft durch Referenzen kenntlich gemacht werden. Die Produkte des Designs sind Objekte, Systeme und Zeichen; Produkte der Wissenschaft sind in erster Linie Texte. Wissenschaft und Design existieren also in unterschiedlichen Formaten, aber nicht getrennt voneinander. Ein Verständnis dieses komplexen Gefüges zu entwickeln ist Ziel der praxisnahen Vermittlung von Designwissenschaft und -forschung an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Im Zentrum der Diskussion stehen dabei stets gestalterische Projekte. Dies sind einerseits die Arbeiten der Studierenden, die auf ihre methodischen und theoretischen Implikationen hin befragt werden, um ein reflektiertes Verständnis des eigenen Tuns zu entwickeln. Zudem werden auch Präsentationsformate und Formen des Ausstellens diskutiert. Dies können aber auch historische Beispiele für Designprozesse sein oder aber übergreifende Diskurse wie zum Beispiel der Diskurs um praxisbasierte Designforschung – der ebenfalls als eine Art »Projekt« verstanden werden kann. Wir verbinden dabei klassische Lehrformate wie die des Lektüreseminars, in dem kanonische und aktuelle Texte gelesen werden, mit Methoden der angewandten Designforschung. Neben der Lektüre werden eigene Texte produziert. Im Zentrum des Schreibprozesses steht hier der Entwurf eines Textes, Schreiben wird in diesem Sinne als eine Praxisform mit teilweise handwerklichen Implikationen verstanden, sodass das gestalterische Vermögen der Studierenden auf der Ebene des Textes zum Ausdruck gebracht werden kann.

23.07.2017 ,

Industriedesign

An der Muthesius Kunsthochschule wollen wir neue Qualitäten vermitteln. Für uns ist Design eine umfassende Auseinandersetzung mit technischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen sowie gesellschaftlichen Veränderungen gleichermaßen. Wir sind daran interessiert, diese Entwicklungen in neue und interessante Beziehungen, Prozesse und Interaktionen zu übersetzen. Wir sehen uns verpflichtet, im Studium Wege zur Gestaltung intelligenter und verantwortbarer Produkte und Nutzungserfahrungen aufzuzeigen. Für diese Aufgabe müssen wir Augen und Gedanken öffnen und weitreichende Handlungskompetenzen erwerben: Vernetztes Denken und Handeln, Erforschen, Erproben, Konzipieren, Detaillieren, Visualisieren und Kommunizieren. Und vor allem: Gestalterisch Entscheiden.
Da wir in Kiel alles andere als eine Massenhochschule sind, können wir die zu vermittelnden Inhalte eng aufeinander abstimmen. Eine ganzheitliche, praxisorientierte und individuelle Lehre ist die Folge. Das Studium an der Muthesius Kunsthochschule soll motivieren, persönliche Neigungen zu entdecken und engagiert weiterzuentwickeln; die Ausbildung zu verantwortungsvollen, kritischen und professionellen Gestalterinnen und Gestaltern ist unser Ziel.

Bachelor

Mit dem Bachelorstudium im Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule werden die Studierenden auf die facettenreichen und anspruchsvollen Anforderungen als Gestalter so vorbereitet, dass eine richtungsweisende Tätigkeit in unterschiedlichen professionellen Kontexten ermöglicht wird.

Master

Welche Zukunft wünschen wir uns? Welche Qualitäten sollen Technologien, unser Zusammenleben und der Umgang mit uns selbst haben? Wer gestaltet und verantwortet Veränderungen?

Der Masterstudiengang „Industriedesign“ der Muthesius Kunsthochschule mit den Schwerpunkten Interface Design und Medical Design nimmt sich zentraler aktueller und zukünftiger Fragestellungen an.
Das viersemestrige Masterstudium “Industriedesign“ qualifiziert zur professionellen, interdisziplinär-entwerfenden Arbeit in einem breiten Tätigkeitsspektrum im Forschungs-, Industrie- oder Dienstleistungsbereich mit gestalterischen, entwicklungstechnischen oder strategischen Schwerpunkten. Das Angebot richtet sich sowohl an Bachelor-Absolventen des Industriedesigns, wie auch anderer Disziplinen. Weniger die Ausrichtung der akademische Vorbildung ist von Bedeutung, als vielmehr die Überzeugung, mit seiner Profession wertvolle Synergien stiften zu können. Im Besonderen richtet sich das Studium als akademische Weiterbildung an Interessenten, die bereits Berufserfahrung gesammelt haben. Gestalterisch erforschen und forschend gestalten, was das individuelle und gemeinschaftliche menschliche Leben zukünftig auszeichnen wird – das ist Ihr Studieninhalt als Masterstudentin und Masterstudent des Industriedesigns an der Muthesius Kunsthochschule.

Sie arbeiten im Spannungsfeld zwischen Interface Design und Medical Design: Diese beiden inhaltlich synergetischen Schwerpunkte vermitteln Kompetenzen für eine zukunftsorientierte gestalterische Arbeit, bei der der Mensch als Akteur gesellschaftlichen Wandels, aber auch als Erkenntnisgegenstand an sich im Zentrum steht. Designer werden in Zukunft wesentlich stärker als Impuls- und Richtungsgeber der individuellen und gemeinschaftlichen Lebensorganisation auftreten und diese auch erfahrbar machen – von diesem Leitbild wird das Studium getragen.

Lehrende

Prof. Martin Postler
Industrial Design

PROF. FRANK JACOB
Interface-Design

PROF. DR. MED. DIETER SIEBRECHT
Industriedesign (MA) Medical Design

PROF.IN DR. BETTINA MÖLLRING
Grundlagen des Design

PROF. DETLEF RHEIN
Industriedesign I Meth. Entwerfen I M.A. Medical Design

PROF.IN ANNIKA FRYE
Designwissenschaft und -forschung

Abschlüsse

Bachelor of Arts (B. A.)
Master of Arts (M. A.)
Industriedesign/ Medical Design
Industriedesign/Interface Design
Promotion